Bundesjugendvergleichsfliegen 2016

Go North- vom Berch an die Küste

Fränkisch und Plattdeutsch? Wie sich das verträgt? Drei Franken qualifizierten sich für den Bundesentscheid und repräsentierten Bayern im Hohen Norden, mit einem durchaus stattlichen Ergebnis und vielen neuen Erfahrungen.

Am 22.09. lud man zum Bundesjugendvergleichsfliegen im niedersächsischen Hellingst zwischen Bremen und Bremerhaven ein. Aus jedem Bundesland hatten sich drei Piloten bei den jeweiligen Landesentscheiden dafür qualifiziert. Für Bayern gingen vom Flugplatz Ottenberg (Aero Club Segelflug Nürnberg) Benjamin Böhm und Philipp Weber an den Start. Der dritte Vertreter war Jens Elflein vom Aero-Club Schweinfurt, ein schon bekannter Fliegerkamerad der Ottenberger Piloten.

Die geographische Lage war natürlich alles andere als günstig und sorgte für eine etwas kleinere Mannschaft aus Bayern. Somit begann am Donnerstag eine Anreise von 650 km in den hohen Norden Deutschlands zum Segelflugplatz in der Nähe des beschaulichen Dorfes Hellingst. Nachdem der erste Schock über die vielen komischen Sprachen, die fehlenden Berge und ewig langen Straßen ohne Kurven verdaut war, klang der Abend beim gemütlichen Grillen aus. Allerdings wurde bei der Essensplanung nicht mit hungrigen Bayern gerechnet. Auch musste man feststellen, dass es im Norden auch ganz schön frisch werden kann und man verkroch sich bei 5°C Außentemperatur in seinen warmen Schlafsack.

Der Freitag begann mit einem grandiosen Frühstücksbuffet auf Hotelniveau, das keine Wünsche offenließ. Anschließend erfolgte für die Piloten neben einem Einweisungsflug auch ein Übungsflug über der weiterhin erschreckend flachen Landschaft und der ein oder andere fragte sich, wie man sich da oben beim Streckenflug orientieren sollte. Allerdings hatte dies auch einen positiven Effekt. Man konnte bereits direkt nach dem Windenstart am Horizont das Meer erkennen. Um sicher zu gehen, dass es sich dabei nicht nur um eine optische Täuschung handelte, ging es für die gesamte Mannschaft aus Bayern nach Bremerhaven, um einen Blick aufs Wasser zu werfen. Der Genuss einer obligatorischen Fisch- oder Krabbensemmel durfte natürlich nicht fehlen. Am Abend hatten die Helfer auch noch die Möglichkeit norddeutsche Höhenluft zu schnuppern.

Wertungstag 6 Uhr: Aufstehen. Das Frühstück stand wieder im kompletten Gegensatz zum Abendessen und somit konnten alle gestärkt den anstrengenden Tag angehen. Von den 44 Piloten aus den verschiedenen Bundesländern mussten an einem Tag 132 Wertungsflüge absolviert werden. Glücklicherweise war das Wetter bestens und der Flugbetrieb super organisiert. Daran hatte auch der Seilwagen in Form eines Iltis seinen Beitrag, der mit Minimum 70 km/h die Seile auszog. Dabei nahm er sich wohl die Flugzeuge als Vorbild, denn bei der ein oder anderen Bodenwelle hatte er keinen Kontakt mehr zur Erde.

Bevor es losging folgten natürlich die obligatorischen Diskussionen, die jeder Bayer kennt, der bereits auf einem BJVF war. Flugzeuge, die nach der Berufsbezeichnung von Captain Jack Sparrow benannt wurden, könnten ja angeblich nur auf eine bestimmte Art gelandet werden... Nachdem von der Jury einstimmig beschlossen wurde, dass es keinerlei Sonderrechte gibt, zeigten die meisten Piloten überraschend, dass es auch anders geht. Direkt nach den ersten Wertungsflügen wurde deutlich, dass die jeweils besten Piloten eines Bundeslandes an den Start gingen. So hatten die wenigsten Flüge grobe Fehler in der Ausführung und alle Piloten lagen sehr eng zusammen. Jeder noch so kleine Fehler wurde deswegen von der Jury, die nur einmal einen Angriffsflug auf sich erlebte, bemängelt. Da alles reibungslos lief, konnte bei weiterhin schönem Wetter am frühen Abend der letzte Wertungsflug beendet werden.

Zur Abwechslung wurde mal wieder gegrillt und dass die Bayern Hunger haben, war leider auch noch nicht ganz durchgedrungen. Das konnte aber die Stimmung nicht trüben. Die Nacht konnte bis zum Morgengrauen mit einem Kicker Turnier, einem bayerischen Trainingslager zur Überwindung der Sprachbarrieren und einem DJ genutzt werden, neue Bekanntschaften zu machen.

Am Sonntagvormittag stand schließlich die Siegerehrung auf dem Plan. Ausnahmslos jeder war von den zur Verfügung gestellten Sachpreisen erschlagen. Was hier aufgetischt wurde war einfach nur grandios und dürfte einen neuen Maßstab gesetzt haben. Über Flüge im Ausbildungssimulator bei Lufthansa in Bremen, teuren Werkzeugen und sogar einem Urlaub an einem Alpenflugplatz inkl. Vollverpflegung war alles dabei. Letztendlich erreichte Philipp Weber in der Wertung den 16. Platz. Jens Elflein zeigte mit Platz 12 eine gute Leistung und Benjamin Böhm hat mit seinem Können den 7. Platz erringen können. Insgesamt belegte die bayerische Mannschaft damit in der Länderwertung den hervorragenden dritten Platz.

Ein sehr schönes Wochenende im Norden Deutschlands, an dem die Mannschaft aus
Bayern viele interessante und neue Erfahrungen sammeln konnte. Zusätzlich möchten wir hiermit nochmal unseren Dank an den Flugplatz Hellingst aussprechen, dass wir deren K13 zur Verfügung gestellt bekamen, damit wir die lange Anreise nicht auch noch mit Hänger bestreiten mussten.

Text: Philipp Weber und Bastian Koch
Fotos: Bastian Koch